Die Olympischen Spiele im Rückblick
Nachdem wir die Qualifikation für Athen nicht schafften gaben wir vier Jahre alles um uns für Peking 2008 zu qualifizieren. Obwohl es nach Florians schwerer Schulterverletzung im Juni 2007 wieder sehr schlecht aussah, haben wir aber mit einem A-Kader in Hyeres und einem B-Kader bei der EM die Qualifikation für Peking im allerletzten Moment doch noch geschafft.
Am 15. Juni war die Siegerehrung der EM und am 18. Juni saßen wir schon im Flieger nach Qingdao.
Man muss uns aber auch als sehr große Optimisten bezeichnen, denn unser Boot hatten wir bereits im Jänner, als es um unsere Qualifikation noch sehr schlecht stand, nach Qingdao geschickt. Am Ende waren wir doch über diese Entscheidung froh, denn am 15. Juni wäre es zu unmöglich gewesen unser Boot noch rechtzeitig nach China zu schicken.
Ab dem 18. Juni gab es dann ein Marathonprogramm. 5 Wochen China, 8 Tage daheim und dann wieder zurück nach China. Wir wollten unsere Chance nutzen und hatten sehr viel Trainingsrückstand auf unsere Konkurrenz aufzuholen. Diese hatten ihre Olympiaqualifikationen zumeist schon sehr lange hinter sich und bereiteten sich deshalb schon viel länger auf die speziellen Segelbedingungen in Qingdao vor.
Wir wollten daher so viel Zeit wie möglich im Olympiarevier auf dem Boot verbringen. Denn am Ende wollten wir uns nicht vorwerfen müssen, nicht alles versucht zu haben.
Wir konnten die fünf Wochen sehr gut nutzen, machten große Fortschritte beim Material und der Bootsführung in der für Qingdao typischen üblichen hohen Welle. Am 20. Juli flogen wir dann für ein kurzes Stelldichein nach Wien. Dort erwartete uns die Einkleidung, die Verabschiedung beim Bundespräsidenten, die Verabschiedung beim Bundesheer, die Verabschiedung beim Burgenländischen Landeshauptmann und unsere Verabschiedung vom Yacht Club Breitenbrunn in Breitenbrunn.
Obwohl dass dann doch sehr viele Verabschiedungen waren, war trotzdem jede einzelne sehr nett, und motivierend.
Es hat sich in dieser Zeit bei uns beiden auch schon eine richtige Olympiaregatta-Vorfreude aufgebaut. Doch ab dem Flug nach Qingdao ging der Stress dann wirklich los. Am 30. Juli in Qingdao angekommen und am 3. August schon Vermessung. Das bedeutet Containerausbau in Rekordzeit, Segeln gehen und das Boot für die Vermessung fertig machen. Gleichzeitig bekam "unsere Renate" noch eine absolute Generalüberholung. Neue Leinen, Markierungen, Schwertlippen, Schwert und Ruderreparatur, Hochglanzpolitur und eine perfekte Gewichtsverlagerung. Wir waren von früh bis spät im Einsatz, dafür waren wir uns sicher, dass unser Material in einem bestmöglichen Zustand ist und wir überstanden die Vermessung auch ohne Probleme. Wir mussten nur mehr das Boot und die Segel bekleben und dann konnte es losgehen.
Die letzten Tage vor dem ersten Start nützten wir dann um in unsere Regattaroutine zu kommen. Wir lebten jeden Tag genauso wie die darauffolgenden Regattatage damit wir dann auch in den Wettkampftagen unser Energieniveau genau zur richtigen Zeit am höchsten haben. Das große Problem an unserer Vorbereitung war, dass es uns so nicht möglich war den doch sehr langen und mühsamen Weg nach Peking zur Eröffnung aufzunehmen. Mit schwerem Herzen, aber gutem sportlichem Gewissen, entschlossen wir uns (mit fast allen anderen Seglern gemeinsam) im Interesse der Regatta, auf die Eröffnung zu verzichten.
Um sie nicht ganz zu versäumen, versuchten wir die Eröffnung gemeinsam im Crowne Plaza Hotel vor dem Fernseher so gut wie möglich mitzuerleben. Zu unserm Glück gab es am 9. August auch noch eine Eröffnungsfeier in Qingdao und wie das in China so ist, war auch diese nicht zu klein.
Mit sehr großen Erwartungen gingen wir dann am 11. August endlich an den Start. Entgegen all unserer Trainingserfahrungen in den Wochen davor, hatten wir so gut wie keine Wellen. Leider war unser ausgewähltes Material für höhere Wellen optimiert und somit schafften wir es nicht, so richtig mit den schnellsten im Feld mitzuhalten. Obwohl wir dank unserer sehr vorsichtig defensiv gesegelten ersten Kreuzen immer wieder die Möglichkeit hatten trotzdem an den Top-ten zu kratzen, verloren wir in entscheidenden Momenten immer wieder sehr viele Plätze, da uns unser minimale Speednachteil immer wieder dazu zwang vom Feld wegzuwenden. So verloren wir in den ersten 2 Tagen auf allen Wettfahrten weit über 10 Plätze innerhalb kürzester Zeit. Wegen der teils sehr starken Strömung waren die Vorwinde oftmals nur sehr kurz und wir konnten somit auch hier nur selten Boden gutmachen. Darum fanden wir uns im Ziel immer wieder am hintern Ende des Feldes wieder. Leider blieben die für uns so ungünstigen Wind und Wellenbedingungen bis zum Ende der Regatta genau gleich und hatten somit in jeder Wettfahrt mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.
Die ganze Woche probierten wir alles um unsere Situation zu verbessern, aber am Ende mussten wir uns eingestehen dass wir für Flachwasser und 4-6 Knoten Wind nicht das richtige "Gesamtpaket" besaßen und wir uns aufs Quäntchen Glück schon gar nicht verlassen konnten.
Immerhin schafften wir es an unserem letzten Regattatag noch 3 "normale" Wettfahrten zu segeln. Das war sehr wichtig für unser Selbstvertrauen, aber trotzdem waren wir am Ende sehr enttäuscht, denn natürlich hätten wir uns mehr erwartet, und so denke ich, auch ein wenig mehr verdient. (Gesamt beendeten wir die Regatta somit als 24e.)
Wir hatten dann ein paar Tage Zeit über alles nachzudenken und auch die Traurigkeit wieder ein wenig zu besiegen, bevor es dann an die unangenehmste Sache ging. Wir mussten noch all unser Material (insgesamt 18 Boote im Team) in die vier Container verladen. Doch wir schafften es, bis zum 20. August damit fertig zu werden und hatten somit noch die Möglichkeit am 21. August nach Peking zu fliegen um dort noch ein wenig Peking-Olympia mitzuerleben.
Peking war für uns ein wunderschöner Abschluss von - für uns sehr schwierigen aber trotzdem überwältigenden und unglaublich interessanten - Olympischen Spielen in China. Denn in Peking betraten wir "Dream World". So nennt sich das dort neu erbaute Olympische Dorf. Und genauso fühlt man sich dort auch. Die Umgebung, die Stimmung, die Sportler, die Stadien, die Voluntiers und die Stadt als ganzes präsentierten sich als absolute Fabelwelt. Mann muss es selbst erlebt haben um diese unglaublich positive, freundliche und weltoffene Stimmung im Olympischen Dorf zu begreifen.
All diese eindrucksvollen und vor allem positiven Erlebnisse in der Zeit nach der Regatta haben wieder sehr viele neue Energien in uns geweckt. Obwohl für uns schon lange vor den Olympischen Spielen fest stand, dass wir auf jeden Fall bis zu den Olympischen Spielen in London 2012 weitersegeln, haben diese Spiele den Drang nach einer Olympischen Medaille noch um einiges vergrößert.
Daher sind wir jetzt schon am Planen und Arbeiten um die nächsten vier Jahre so produktiv, effektiv und konsequent wie möglich zu nützen - um in London eine Medaille zu ersegeln.
Obwohl diese Spiele alles andere als nach Plan für uns verlaufen sind, wissen wir, dass wir um einiges näher an den Top-drei dran sind, als es das erreichte Ergebnis aussehen lässt.
Am Ende ein riesengroßes Dankeschön an all diejenigen die uns unterstützt und immer zu uns gehalten haben. Wir wissen das sehr zu schätzen, denn ohne Sie (Euch) hätten wir es nie soweit gebracht.
Wir würden uns freuen wenn wir weiterhin so gut und freundlich unterstützt werden, um in den nächsten vier Jahren all unsere Pläne und Ziele bestmöglich umsetzen und erreichen zu können.
Matthias und Florian
Diesen Bericht inklusive Fotos gibt es auch als Pdf-File zum downloaden hier!
